Zuzahlung

Die Zuzahlungen für die Gerinnungsfaktoren werden ab Inkrafttreten des Gesetzes über die Apotheken bei der Abgabe eingezogen. Welche Möglichkeiten haben Patienten, die Belastung durch Zuzahlungen möglichst gering zu halten?

  • Wie hoch ist die Zuzahlung des Patienten und wo muss er diese bezahlen?

    In Zukunft muss der gesetzlich versicherte Patient seine Zuzahlung, wie bei anderen Medikamenten auch, in der Apotheke leisten. Faktorpräparate liegen i. d. R. als Einzelpackung vor und entsprechen einer N1. Für jede Normgröße (N1, N2 und N3) fällt die Zuzahlung an und beträgt 10% vom Apothekenverkaufspreis (AVP), jedoch mindestens 5 € und höchstens 10 €.

    Im Falle der Faktorprodukte liegt der APV bzw. der Herstellerabgabepreis über 100 €. Deshalb liegt die Zuzahlung bei 10 € pro Normgröße. Bei regelmäßiger Therapie bedeutet dies eine hohe Zahl an Packungen und entsprechend eine hohe Zuzahlung, sofern keine Zuzahlungsbefreiung vorliegt. Benötigen Patienten mehrere Packungen auf einmal, können diese auf Grund einer ärztlichen Verordnung im Rahmen der Normgrößen zusammengestellt werden (PackungsgrößenVerordnung §3). Die Abgabe dieser Packungen gilt im Sinne dieser Verordnung als Abgabe einer Einzelpackung.

    Beispiel basierend auf der untenstehenden Aufstellung:

    • 20 € Zuzahlung bei der Verordnung von 30 Packungen je 500 I.E. und 1000 I.E.
    • 10 € Zuzahlung bei der Verordnung von 30 Packungen je 1500 I.E.

     

    Verordnete Menge Normgröße (NG) gemäß  PackungsV Zusammenstellung der NG Zuzahlung
    1 Stk N1 1 x 1 Stk 10 €
    2 Stk 2 x 1 Stk (N1) 20 €
    5 Stk N2 5 x 1 Stk 10 €
    6 Stk 5 x 1 Stk (N2)

    1 x 1 Stk (N1)

    20 €

    (= 2 × 10 €)

    10 Stk 2 x 5 Stk (2 x N2) 20 €

    (= 2 × 10 €)

    20 Stk 4 x 5 Stk (4 x N2) 40 €

    (= 4 × 10 €)

    30 Stk N3 30 x 1 Stk 10 €
    40 Stk 30 Stk (N3)

    2 x 5 Stk (2 x N2)

    30 €

    (= 3 × 10 €)

    60 Stk 2 x 30 Stk (2 x N3) 20 €

    (= 2 × 10 €)

     

    Eine Verordnung von mehr als 30 Packungen ist nur in dringenden Fällen erlaubt (§ 17 des Rahmenvertrags nach § 129 Abs. 2 SGB V).

    Erläuterung: Das DIMDI (Das Deutsche Institut für Medizinische Information und Dokumentation) legt mit Zustimmung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) die Packungsgrößen von Arzneimitteln fest (DIMDI Anlage 1 Abschn. 4).

  • Ab wann ist der Patient zuzahlungsbefreit?

    Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind generell von der Zuzahlungspflicht befreit.

    Damit durch Zuzahlungen niemand überfordert wird, gibt es die Belastungsgrenze: Sie liegt bei 2% des Bruttoeinkommens, für chronisch Kranke bei 1%. In diese Rechnung fließen jedoch nicht allein die Zuzahlungen für Arzneimittel ein, sondern auch der Eigenanteil für stationäre Behandlung und die Zuzahlung bei Heilmitteln und häuslicher Krankenpflege. Ist die Belastungsgrenze im laufenden Jahr bereits erreicht, bescheinigt das die Krankenkasse. Die Versicherten sind dann für den Rest des Jahres von allen Zuzahlungen befreit.

  • Gibt es Ausnahmen zur Zuzahlungspflicht für chronisch kranke Patienten?

    Ja, wenn der Status einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung von der Krankenkasse anerkannt wurde. Dazu gehört, dass der Patient nach der Chroniker-Richtlinie §2 wenigstens ein Jahr lang mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde und eines der folgenden Merkmale vorhanden ist:

    • Es liegt eine Pflegebedürftigkeit des Pflegegrades 3, 4 oder 5 (SGB XI Kapitel 2) vor.
    • Es liegt ein Grad der Behinderung (GdB) oder ein Grad der Schädigungsfolgen (GdS) von mindestens 60% oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 60% vor.
    • Es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Behandlungspflege, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) erforderlich, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die auf Grund der Krankheit nach Satz 1 verursachte Gesundheitsstörung zu erwarten ist.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne unter 06131/903 1324 zur Verfügung

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